Roskilde 2007– Who Made Who?

Roskilde ist immer wieder ein Abenteuer. Schon zu Beginn des Festivals goss es aus allen Kübeln. Allein bis Donnerstagnachmittag war mehr Regen gefallen als je zuvor auf einem Roskilde während des gesamten Festivals! Die Zeltplätze vor dem Eingang standen komplett unter Wasser, einige Besucher mussten das Festival verlassen, doch der Großteil machte einfach das Beste daraus. So bot sich in der nahe gelegenen Innenstadt von Roskilde ein amüsantes Bild: Überall liefen durchnässte Festivalgänger mit matschigen Hosen durch die Geschäfte, um sich die letzten Gummistiefel, Regenjacken, Planen und weitere Utensilien gegen die Rekordnässe zu besorgen. Von Seiten des Festivals und der Händler wurde alles getan, um die Besucher wetterfest zu machen. So wurden sämtliche regenfesten Klamotten aus der Umgebung gleich nach Roskilde beordert, damit auch wirklich jeder versorgt werden konnte. Und das war auch gut so, denn tatsächlich hatte ausnahmslos jeder während der gesamten Tage nur Gummistiefel an. Das Gelände hat sich einfach nicht mehr von der Regenmasse erholen können.

Dennoch steckten die Skandinavier mit ihrer guten Laune alle anderen Besucher an und ließen den Regen einfach Regen sein. Außerdem sind die meisten Bühnen in Roskilde in Zelten untergebracht, so dass man wenigstens dort ein wenig trocknen konnte. Gleich die erste größere Band entschädigte für die Nässe. Arcade Fire brachten dermaßen Stimmung in die Arena, dass es eine Freude war. Euphorie pur, die richtig Spaß machte. Das LCD Soundsystem sorgte anschließend im Odeon für trockene Hosen, denn das Tanzbein wurde hier kräftig geschwungen. Nur The Killers mussten leider auf der Orange Stage ran und gingen ein wenig im Regen unter. Zu Björk dagegen passte der weiterhin prasselnde Regen sehr gut. Stimmungsvoll, atmosphärisch, wie von einem anderen Stern performte sie ihr Set mit außergewöhnlichen Kostümen. Doch als sich zum Regen auch noch der Sturm gesellte, konnte auch sie nicht mehr alle Herzen erwärmen. Zehn Stunden draußen im Dauerregen reichten irgendwann, spätestens als man bis auf die Unterhosen durchnässt da stand und immer wieder Windböen mit literweise Regen auf einen gepeitscht wurden. Schade, dass es gerade bei Björk so weit gekommen ist, denn sie war wie immer einzigartig.

Neuer Tag, neues Glück. Tatsächlich, es war trocken. Unglaublich! Also flott zu Mando Diao, die in Dänemark bei weitem nicht die große Nummer sind wie hierzulande. Schön, die Jungs mal wieder in kleinerem Rahmen zu sehen. Rocken können sie schließlich! Im Anschluss gab es ein breit gefächertes Angebot. Ob New Young Pony Club, In Flames, The Sounds oder My Chemical Romance, es gab genügend Möglichkeiten, sich die Zeit bis zu den Beastie Boys zu vertreiben. Diese kamen, sahen und siegten. Natürlich. Das angekündigte Instrumental-Gala-Set war gar nicht so instrumental, sondern schön gemischt. Neun Jahre nach ihrem legendären letzten Auftritt auf der Orange Stage begeistern die New Yorker noch immer mit ihrem Charme, Witz und ihren Hits. „Sabotage“ ist weiterhin die Live-Granate! Wer hier nicht hüpft, hat keine Gefühle.

Dass man nun die Klaxons verpasst hatte, war schade, aber die Queens Of The Stone Age & CSS standen ja noch in den Startlöchern. Die Erwartungen an CSS waren hoch, vielleicht etwas zu hoch. Denn irgendwie wollte der totale Partyfunke nicht bei allen im Zelt zünden. Dafür gab es bei den folgenden Peter, Bjorn And John einige amüsante Szenen. Das Odeon, der Ort des Geschehens, ist ein wenig abseits vom Gelände und nur über einen kleinen Pinkelgraben zu erreichen. Natürlich gibt es auch Mini-Brücken, aber eigentlich springt jeder über den kleinen 1-Meter-Graben. Doch wegen des Regens war natürlich noch alles matschig, rutschig und tief. Immer wieder sprangen Leute, rutschten ab und versanken im Matsch. Eine große Belustigung für alle Anwesenden inkl. der Opfer. Als das große „Young Folks“ gespielt wurde, gab es einen dermaßen großen Andrang von Leuten, die sprangen und abrutschten, dass fast schon mehr Leute im Graben steckten als vor der Bühne. Wer sich befreien konnte, ergötzte sich anschließend an den feinen Cold War Kids ein paar Zelte weiter.

Samstag, immer noch kein Regen. Freude! Obwohl in Roskilde eigentlich die meisten interessanten Bands zu humanen Zeiten (ab 17h) spielen, gibt es Ausnahmen. So mussten The Thermals mittags um 12h ran und konnten vielleicht aufgrund der unrockigen Uhrzeit nicht so richtig überzeugen. Dafür konnte man das Gelände im gähnend leeren Zustand begehen. Überall fuhren immer wieder Bagger rum, die den Matsch beseitigten oder platt machten. Das ist das Schöne an Roskilde: Es wird stetig dafür gesorgt, dass man den Zuschauern das Bestmögliche bietet. Dafür bietet das Roskilde-Publikum den Bands auch den bestmöglichen Support. Allein die Stimmung vor Machine Head war schon top. Lange bevor die Band auf der Bühne stand, gab es bereits die Sprechchöre „Machine fucking Head! Machine fucking Head!“, über die sich Rob Flynn natürlich enorm freute. Mit „The Blackening“ haben seine Jungs auch endlich mal wieder ein richtig gutes Metal-Album rausgebracht und sich auch live von den grauenhaften NuMetal Zeiten verabschiedet. Fäuste in die Luft und rocken! Den allerbesten Einmarsch auf die Bühne hatten allerdings die Flaming Lips. Nachdem eine Reihe Superhelden und Fabelwesen die Bühne betreten hatte, rollte Sänger Wayne Coyne in einem riesigen durchsichtigen Ball auf die Bühne und von dort aus über die Köpfe des Publikums. Dazu erklang das fabelhafte „Race For The Price“. Mehr geht nicht. Das Set war wunderbar verquer, Wayne Coyne erzählte, dass Roskilde vor Ewigkeiten sein erstes Festival war und es immer noch etwas Besonderes sei, hier zu spielen. Leider spielte parallel Mark Lanegan mit den Soulsavers, also schnell weiter in die Arena. Lanegans Stimme ist einfach einmalig. Er könnte auch das viel zitierte Telefonbuch singen und es wäre Kunst. Dann folgte das Highlight des Festivals: The Who! Live! In Roskilde! Legenden treffen aufeinander. Alles von jung bis alt stand vor der Bühne. Einige haben The Who sicher schon vor Jahrzehnten gesehen, andere vielleicht erst durch „C.S.I.“ kennen gelernt. Egal, an diesem Abend waren alle Eins. Es wurde von Anfang bis Ende gerockt und gefeiert, wildfremde Menschen tanzten miteinander, jeder Song passte, Daltrey gab alles, obwohl er erkältet war, Townsend malträtierte seine Gitarre, Ringo Starrs Sohn Zac Starkey saß am Schlagzeug, alle Hits kamen, was will man mehr? Konnte das noch getoppt werden? Nein, vor allem nicht von den Red Hot Chili Peppers. Beim letzten Roskilde-Auftritt 2002 konnten die Peppers überzeugen, dieses Mal war es eine Qual. Frisch vom Live Earth nach Dänemark eingeflogen wurden sie zur großen Enttäuschung. Langweilige Songauswahl, miese Performance, ein absoluter Rausschmeißer. Schnell weg ins Zelt.

Der Roskilde-Sonntag ist traditionell etwas entspannter. Ältere Einwohner der Stadt kommen umsonst rein, es ist Familientag, es spielen nicht mehr so geballt viele Bands. Dennoch gibt es Qualität, dieses Jahr in Form von Beirut, The Ark, Wilco oder den Arctic Monkeys, die zeigten, dass sie eine gute Rockband sind, aber nicht mehr und nicht weniger. Hype hin oder her. Pelican brachten dagegen eine schöne Packung Noise mit. Mogwai in heftiger. Zum Ausklang des langen Wochenendes schien dann auch mal die Sonne, und es kamen noch weitere richtige Highlights! Allen voran Muse! Wer mit dem wahnsinnigen „Knights Of Cydonia“ beginnt, kann nur gewinnen. Ein Set mit zahlreichen Höhepunkten von „Starlight“ bis zur Akustikversion von „Unintended“. Einfach nur schön! Wer sich danach Richtung Fressmeile begab, hörte euphorisches Gejubel aus dem Pavillon-Zelt. Grund: Dúné. Eine Band, die man unbedingt mal live erleben muss! Zum Abschluss auf der Orange zelebrierten Basement Jaxx einfach eine große Party. Wer nach dem Zeltabbau noch Lust auf Tanzen hatte, bekam mit Justice um 2.15h ein letztes Mal die Vollbedienung.

Wieder einmal hat in Roskilde alles gepasst. Mit Extremsituationen wie dem Wetter wird souverän umgegangen, die weltbekannte Atmosphäre überträgt sich sofort auf alle Anwesenden, sei es Bands oder Fans, das Programm hatte wieder Einiges zu bieten. Egal ob Weltstars oder totale Newcomer, egal ob Metal oder Weltmusik, egal ob intime Clubatmosphäre oder Stadionrock, hier war auch 2007 wieder alles dabei und alles auf einem Niveau, wie man es sich wünscht. Roskilde bleibt die Nummer 1. Bis nächstes Jahr!

– Won Sin –

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